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Wurzeln - Bande - Flügel: Familie als Ort der Sozialisation, Kontrolle und Emanzipation

20. Dezembertagung

Fr, 06.12.2019  — So, 08.12.2019
Familie ist für viele LSBTIQ*’s auch heute noch ein Ort, an dem sie einen Teil ihrer Identität verstecken, den sie meiden, weil die dort gemachten Erfahrungen erst noch verarbeitet werden müssen und von dem sie sich abgrenzen, weil sie das Normen-Korsett, in das sich Menschen dafür zwängen (lassen), ablehnen. Familie ist aber auch ein Konzept, für dessen Aneignung und Neudefintion viele LSBTIQ* – auch miteinander – jahrzehntelang und intensiv gestritten haben. Das Bemühen um eine neue queere "Normalität" bedeutet aber weniger Schrebergarten und Gartenzwerge vor dem Vorstadthaus, sondern steht vielmehr für lange gewachsene eigene Wohn- und Lebensformen, Wahlverwandtschaften und Regenbogenfamilien mit ganz anderen Konstellationen als die der bürgerlichen Klein- und Kernfamilie. Letztere hatte sich erst im 19. Jahrhundert zur Zeit der industriellen Revolution als für sich stehende und auf Liebe und Emotionalität gestützte soziale Einheit herausgebildet, gilt aber Konservativen heute als das zentrale Element westlicher Gesellschaften.

Der gesellschaftliche Wandel, der neben vielem Anderen auch dieses Dogma ab den 1960’er Jahren in Frage stellte, wurde von Beginn an durch die LSBTIQ*-Bewegungen aktiv und kritisch mitgestaltet. Er wirkte dabei stets in beide Richtungen und stellt LSBTIQ*-Netzwerke dieser Tage abermals vor neue Fragen und Herausforderungen: Ist mit der Öffnung der Ehe auch die Regenbogenfamilie für Reproduktion zuständig geworden? Entsteht dadurch möglicherweise eine Art "Homonormativität", die – Hochzeit und Kinder inklusive – die bürgerliche Kleinfamilie zum Ideal erhebt? Wie verhält sich ein menschenrechtsorientierter Aktivismus zu Leihmutterschaft, Samenspende und der sich stets weiterentwickelnden Reproduktionsmedizin?
Eine andere Entwicklung betrifft Betreutes Wohnen und Hausgemeinschaften speziell für LSBTIQ* sowie Initiativen, die die Vereinsamung Älterer nicht sang- und klanglos hinnehmen wollen. Sie reihen sich ein in die großen und noch viel zu wenig aufgearbeiteten Leistungen der Aktivist*innen, die in der AIDS-Krise alles taten, um den Erkrankten zur Seite zu stehen. Die dort geleistete Sorge- und Pflegearbeit war nicht nur eine Wegbereiterin für einen veränderten Blick auf die Bedürfnisse von Patient*innen, sie ist auch ein "Modell" für eine soziale Praxis, die zahlreiche familiäre Funktionen übernahm. Ist die Erzählung von der Community als große Familie also tatsächlich real oder doch nur ein Wunschtraum?

Zu dieser 20. Jubiläumsdezembertagung sind alle eingeladen: Wissenschaftler*innen, Studierende, Interessierte, schon länger und weniger lang Alternde, Singles, Verheiratete, Regenbogenkinder, Waisen, Alleinerziehende, Pflegende, WG-Bewohner*innen und viele mehr! Gemeinsam wollen wir über Familie und LSBTIQ* aus unterschiedlichsten Perspektiven nachdenken und diskutieren und auch einen Blick in die Zukunft der Familie mit all ihren Chancen für neue Freiräume wagen.
Das genaue Tagungsprogramm ist ab August auf der Website der Akademie zu finden.

In gemeinsamer pädagogischer Verantwortung mit dem VNB-Göttingen
 VA-Nummer

9981

 Kosten

60,- EUR

 Dauer

Fr, 18:00 Uhr – So, 14:30 Uhr

 Dozent*innen

n.n.
Pädagogische Leitung: Kim Trau, Dr. Volker Weiss, Dr. Rainer Marbach

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