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Sucht und Trauma - eine komplexe Herausforderung für LSBTIQ*Geflüchtete und ihre Helfer*innen und Berater*innen in der Community

So, 17.11.2019  — Di, 19.11.2019
Viele psychosoziale Einrichtungen für Geflüchtete und Folteropfer gehen aus ihren Erfahrungen davon aus, dass 50 Prozent der Geflüchteten traumatisiert sind. Bei LSBTIQ* Personen ist der Anteil möglicherweise wegen der spezifischen Verfolgung noch deutlich höher. Es geht nicht nur darum, ob sie traumatisiert sind, sondern dass sie häufig komplex traumatisiert sind. Durch diese Komplexität entsteht eine Prädisposition – also eine Anlage, eine Empfänglichkeit – für Folgeerkrankungen.
Bei LSBTIQ* Geflüchteten, die Suchtverhalten entwickeln, sind Traumatisierungen sehr häufig. Durchschnittlich 70% bis 90% der suchtkranken Menschen haben komplexe Traumata erlitten. Substanzbezogene Störungen sind öfters mit Erfahrungen frühkindlicher Gewalt oder auch mit Gewalterfahrungen im späteren Lebensalter verbunden. Kindliche sexuelle Traumatisierungen können zu problematischen Alkohol- und Drogenkonsum im Jugendalter führen.
Die Entpathologisierung von Verhaltens -und psychischen Funktionsmustern der Sucht als Folgeerkrankung und eine nicht klassische psychiatrische Komorbidität nimmt eine zentrale Rolle im Seminar ein. Nicht jedes Suchtbild und Verdachtsdiagnose kann und darf pathologisiert betrachtet werden. Das würde zu einer weiteren Stigmatisierung und Ausgrenzung von Migranten*innen und geflüchteten Menschen führen. Die Desintegration und Fragmentierung des Bewusstseins durch die psychotropen Substanzen und andere verwandte psychische Mechanismen werden veranschaulicht erklärt und in Arbeitsgruppen weiter erarbeitet.
Die Fortbildung vereint Theorie und Praxis der Suchtdiagnostik und der speziellen Psychotraumatologie. Das Seminar bietet einen verständlichen Überblick über Problembereiche, Beratungskonzepte, Planung und Aufbau einer ersten Suchtberatung und Hilfe. Die Teilnehmerin*innen werden besonders befähigt, Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation und Berater*in-Klient*in Interaktionen zu verstehen und anzuwenden.
Das Seminar wendet sich an Helfer*innen mit oder ohne Kenntnisse im Bereich Beratung, die mit komplex traumatisierten LSBTIQ* Geflüchteten arbeiten.
 VA-Nummer

9330

 Kosten

keiner; Einzelzimmerzuschlag: 12,- EUR/Nacht

 Dauer

So, 18:00 Uhr – Di, 14:30 Uhr

 Dozent*innen

Jakob Prousalis
Pädagogische Leitung: Wolfgang Vorhagen