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Ich bin doch schwul und will das immer bleiben. Schwule Männer im dritten Lebensalter

Michael Bochow

Hamburg 2005 , MännerschwarmSkript
ISBN: 3-935596-79-0
Preis: 22.00 EUR

Einer ist Jahrgang 1925, hatte schon in frühester Jugend homosexuelle Kontakte und blickt zufrieden auf ein erfülltes Leben zurück. Einsam ist er auch im Alter nicht. Ein Anderer dagegen war lange verheiratet, entdeckt seine Homosexualität erst mit sechzig und versteckt sie gegenüber seiner Familie und den Freunden. Wie soll er Kraft aus einer Gemeinschaft schöpfen, die ihn trägt? Ob Schwule Angst vorm Alter haben, ob sie im „dritten“ Lebensalter einsam und versteckt leben, ob sie ein soziales Netz, Freunde und Kontakt zur „Szene“ haben, hängt von vielen Bedingungen ab. Auf welche Weise sich ihre zu einem erheblichen Teil schwierige Situation verbessern ließe, hat der Berliner Soziologe Michael Bochow im Auftrag des Schwulen Forums Niedersachsen unter-sucht. 33 schwule Männer, die 55 Jahre alt und älter sind, hat er für seine Studie interviewt. Die Ergebnisse werden in Form einzelner, gut lesbarer und oft auch anrührender Lebensgeschichten präsentiert und einer Analyse unterzogen. Um den Blick nicht zu verengen, hat Bochow zum Vergleich auch einige deutlich jüngere Männer nach ihrer Lebenssituation befragt. Am Ende formuliert er die Anforderungen, die sich daraus ergeben: an die Schwulen selbst und ihre Community, an die Sozialpolitik und an die ganze Gesellschaft.
376 Seiten

Inhalt:

Vorwort

Einleitung

I. Anmerkungen zum dritten Lebensalter unter besonderer
Berücksichtigung der älteren Generationen homosexueller Männer
1. Zur sozialen Konstruktion des Alters
2. Altern schwule Männer schneller?
3. Das Trauma der Adenauer-Zeit:
Schwules Leben zwischen den 40er und 60er Jahren

II. Zur Anlage der Erhebung und zur Zusammensetzung der Stichprobe
1. Fragestellungen der Studie
2. Zur Erhebungsmethode und zum Interviewleitfaden
3. Zur Rekrutierung der Interviewpartner und Durchführung
der Interviews
4. Zur Auswahl der Interviews für eine Transkription
5. Soziodemographische Charakteristika der Stichprobe
6. Zum Beginn sexueller Biographien von homosexuellen Männern

III. Schwule Männer im dritten Lebensalter. Eine Interviewauswahl
1. Rezepte zum glücklichen Altern?

2. Die 50er und 60er Jahre:
Die Möglichkeiten zum Glück
2.1 \\\\\\\"Ich meine, ich hab mir keine Pfauenfedern in den Hintern
gesteckt, aber wem das nicht paßte, der soll\\\\\\\'s bleiben lassen\\\\\\\"
2.2 \\\\\\\"Ich hatte immer einen guten Schutzengel, in jeder Hinsicht\\\\\\\"

3. Die 50er und 60er Jahre: Das ferne Glück
3.1 \\\\\\\"Ich hab mir erst mit 54 die mentale Befreiung verschafft\\\\\\\"
3.2 \\\\\\\"Und ich wäre bestimmt Buddhist geworden, wenn das in
Europa möglich wäre\\\\\\\"

4. Gibt es ein Glück im Geheimen?
4.1 \\\\\\\"Es wird nicht darüber gesprochen, also eigentlich ist es ein
Tabuthema\\\\\\\"
4.2 \\\\\\\"Das war also keine moralische Besonderheit, da ich das also
aus der Tierwelt ja kenne\\\\\\\"

5. Krankheit und Einsamkeit
5.1 \\\\\\\"Ich hab ja studiert ... Ich hab Marxismus, da hat mir keiner
was vorzutun\\\\\\\"
5.2 \\\\\\\"Ich habe zehn oder fünfzehn Jahre lang auf der Überholspur
gelebt\\\\\\\"
5.3 \\\\\\\"Kann man nicht unbedingt sagen, die Familie ist das Nonplus-
ultra, also wirklich nicht\\\\\\\"

6. Ehe und Familie als Konformitätszwang in der \\\\\\\"Normalbiographie\\\\\\\"
6.1 Die Bedrohung durch das verbotene Begehren und die Ehe
als rettender Hafen
6.2 \\\\\\\"Wenn man wirklich jemanden braucht, ist auch jemand da.
Und das ist ein gutes Gefühl\\\\\\\"
6.3 \\\\\\\"Und ich finde, Liebe hat nicht unbedingt was mit Sexualität
zu tun, aber wenn, dann ist es mit Liebe viel schöner\\\\\\\"
6.4 \\\\\\\"Ich will nicht sagen, daß ich glücklich bin, aber ich komme
damit zurecht\\\\\\\"

7. Die Alt-68er
7.1 \\\\\\\"Ich habe nicht zu den Leuten gehört, die gesagt haben, also der
emanzipierte Schwule geht nicht auf die Klappe\\\\\\\"
7.2 \\\\\\\"Aber das Eigentliche geht an die Schwulen selber, also die
alte Geschichte, raus aus den Klappen, rein in die Straßen\\\\\\\"

IV. Die Liberalität der 90er Jahre

1. Zu den Annahmen eines problemlosen Coming-out bei
jüngeren Schwulen

2. Von den Schwierigkeiten des Coming-out
2.1 \\\\\\\"Weil ich ja meine Eltern kannte, ich hatte eigentlich gedacht,
die reagieren ganz anders, als wie sie\\\\\\\'s dann getan haben\\\\\\\"
2.2 \\\\\\\"Ich habe es immer verleugnet, und ich habe mich ja immer
auch selbst belogen\\\\\\\"

3. Die kulturelle Normierung durch Heterosexualität
3.1 \\\\\\\"Also das ist schon ein Ziel, das ich habe: Ich möchte möglichst
viel Zeit mit meinem Partner zusammen leben und ... auch
gemeinsam alt werden\\\\\\\"
3.2 \\\\\\\"Also ich war immer schon schwul, aber ich habe es nur nicht
bemerkt\\\\\\\"

V. Zur Lebenssituation und zu den Lebensperspektiven schwuler Männer
im dritten Lebensalter

VI. Lesbisches und schwules Leben im Alter: Erfordernisse einer
zielgruppenspezifischen Sozialpolitik


Der Autor

Michael Bochow, Jg. 1948, Dr. rer.pol., Soziologe, Berlin, seit 1987 tätig in der sozialwissenschaftlichen AIDS-Forschung und Minderheitenforschung. Zahlreiche Veröffentlichungen zur AIDS-Prävention für schwule Männer und zu den Lebenswelten schwuler Männer, u.a.: „Schwules Leben in der Provinz - Zum Beispiel Niedersachsen“ (Edition Sigma, Berlin 1998) und „Das kürzere Ende des Regenbogens - HIV-Infektionsrisiken und soziale Ungleichheit bei schwulen Männern“ (Edition Sigma, Berlin 2000), \"Homosexualität und Islam\" (Hg., zusammen mit Rainer Marbach), Edition Waldschlösschen Band 4, Hamburg, 2., korrigierte Ausgabe 2004.

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